Expertenbeitrag von Dominik Meier: Politische Kommunikation während Koalitionsverhandlungen

Aus unserer langjährigen Beratungspraxis wissen wir: Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene sind Kernherausforderungen der politischen Beratung. Die Vorbereitungen beginnen aber schon Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin. Die Parteien wägen thematisch schon lange im Voraus verschiedene Koalitionsoptionen ab und loten Konsenslinien aus. Da sollten Beratungen und Unternehmen bereits ihre Ohren spitzen und Informationen sammeln. Zudem sollte man wissen, welche neuen Kandidatinnen und Kandidaten in den Bundestag streben. Eine erste vorsichtige Kontaktaufnahme zum Kennenlernen kann helfen, deren Themen und Interessen zu verstehen.

Stecken die Parteien in den Sondierungsgesprächen, empfiehlt es sich, über Netzwerke die aktuellen Informationen zu bekommen und die wichtigsten Verhandler zu identifizieren. Die Informationen und Sondierungstexte gilt es vor allem politisch, machtstrategisch und inhaltlich einzuordnen. Nur mit dieser Einordnung gelingt es, gezielt und auf den Punkt gebracht selbst Vorschläge an die Sondierungsteams zu machen. Dazu muss man sich darüber im Klaren sein, wann man etwas schickt, an wen man es schickt und wie man das kommunikativ begleitet. Überzeugende Argumente sind dabei oft besser als lautes Kampagnengebrüll. Das gilt aber nur, wenn der Absender auch Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Reputation in der Politik entwickelt hat. So etwas geschieht nicht über Nacht, sondern dauert oft Monate oder Jahre.

Nur wer als „ehrlicher Makler“ seine eigenen Interessen mit den Gemeinwohlinteressen vereinigen kann, ist auch in Sondierungsverhandlungen erfolgreich und kann so ein glaubwürdiger Ansprechpartner werden.

 

Der Originalbeitrag erschien in gedruckter Fassung in der Oktober-Ausgabe 2021 von pr-magazin.