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Messen im Wandel – vom Handelsplatz zur politischen Bühne

Messen haben sich als trotz der Pandemie als unverzichtbare politische Plattformen etabliert. Stefan Unger analysiert ihre Rolle als Ort für die Verbreitung politischer Botschaften und für die Netzwerkbildung zwischen Wirtschaft und Politik.

Messen sind von je her Orte der Begegnung, der Information, der Innovation, des Dialogs – und damit gesellschaftspolitische Ereignisse. Etliche Städte in Deutschland leben international vom Ruf ihrer Leitmessen. Das Spektakel um die Ortswechsel der IAA macht deutlich, welches Prestige noch heute in Messen steckt.

Wie vieles in der Coronapandemie standen auch die Messen unter keinem guten Stern. Die Vorstellung von internationalen Massenansammlungen war nicht nur für Virologen ein Horrorszenario – auch Aussteller scheuten das Risiko. 670 ausgefallene Messen, 60 Mrd. Euro Verlust, 10 Mrd. Euro Steuermindereinnahmen, mit diesen Zahlen resümiert der Dachverband der deutschen Messewirtschaft AUMA die Pandemie.

Allen Unkenrufen zum trotz haben Messen nicht nur überlebt; sie blühen auf und werden zunehmend zu politischen Schauplätzen. Immer mehr Ministerinnen und Minister besuchen nicht nur Leit- sondern auch nischige Fachmessen. Aussteller und Unternehmen präsentieren nicht nur Innovationen, sondern nutzen die Gelegenheit, politische Botschaften zu senden sowie Netzwerke zu knüpfen und zu pflegen. Messen beweisen damit ihre Stärke als Plattformen für politische Kommunikation und Interessenvertretung. Sie bieten niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten zwischen Wirtschaft und Politik, die anderswo selten sind. Sie ermöglichen einen direkten Einblick in Branchentrends und die Lösungen von morgen.

Was nun macht gute Public Affairs Arbeit im Rahmen von Messen aus?

Ohne Planung ist alles nichts! Den gleichen Messestand wie die letzten Jahre, ohne Möglichkeit, Gespräche zu führen? Ein Stand im hinterletzten Eck der Halle? Messepersonal, dass die politische Zielgruppe mit Marketingbotschaften bombardiert?

Erfolgreiche Public Affairs auf Messen erfordert sorgfältige Planung und effektives Projektmanagement. Bevor man sich auf einer Messe in die Menge wirft, sollte man folgende Fragen beantworten:

  • Was sind meine Ziele? Was will und was kann ich mit der politischen Kommunikation im Rahmen von Messen erreichen?
  • Welche Zielgruppe spreche ich an? Fach- oder Entscheidungsebene, Landes- oder Bundespolitik, Legislative oder Exekutive? Ist meine Zielgruppe schon da oder muss ich sie gezielt zur Messe einladen?
  • Welche Botschaften kann ich senden und welche Aktivitäten auf der Messe (Diskussionen, Live Vorführungen, Hintergrundgespräche) kann ich meiner Zielgruppe anbieten?
  • Ist mein Standdesign ansprechend, werde ich gefunden und kann ich das richtige Material mitgeben?
  • Habe ich Personal am Stand, das mit der Zielgruppe sprechen kann und darf und wurde gründlich gebrieft?
  • Habe ich bereits Ideen oder Konzepte, wie ich nach der Messe den Austausch fortsetzen kann?

Die Messesaison 2024 läuft längst auf Hochtouren und so schaut zum Beispiel unser Cluster Healthcare & Medical Technology auf die ersten Highlights zurück. Die DMEA – Leitmesse für Digitale Gesundheit sowie der Gesundheitskongress des Westens sind bereits erfolgreich gelaufen. Auf beiden konnten wir unsere Kundinnen und Kunden erfolgreich positionieren. Und im Juni folgt schon der Hauptstadtkongress, den wir auch unter der Fragestellung beobachten werden, wie sich Public Affairs auf Messen weiter verändert und durchsetzt.